Heute war der Anreisetag für Kyoto und ich habe wirklich nicht gut geschlafen. 
Nervös bin ich aufgewacht und habe gezwungenermaßen ein paar Bissen beim Frühstück gegessen. Rational gesehen, wusste ich ja, dass eh nichts passieren kann. 
Trotzdem war ich heute sehr unruhig. Mir fehlen einfach meine Lieblingsmenschen und das spürte ich heute dank der Erschöpfung nach einer vollen Woche Arbeit und Sightseeing in Tokyo besonders. 
So ging es dann ab zum Shinkansen - dem Bullettrain. Auch das spürt man ganz schön. Der Zug legt eine 8-stündige Autofahrt innerhalb von 2h zurück. Mount Fuji hat sich auch gezeigt - jedoch sah er durch das Fenster recht klein aus. 
Als ich endlich in Kyoto angekommen war, durfte ich für mein Taxi Schlange stehen (es war schon fast surreal so lange war die Warteschlange). 
Wie alles in Japan, verfolgt auch die Wartschlange klare Regeln und Muster und innerhalb einer halben Stunde saß ich im Taxi und kam schließlich bei der Galerie an. 
Dort wurde ich recht herzlich von der Inhaberin begrüßt und ich war echt beeindruckt. Ursprünglich kommt sie aus Korea und hat wohl schon auf der halben Welt gewohnt. Sie hat mir einige echt spannende Geschichten erzählt, die Räumlichkeiten gezeigt und auch erklärt was ich denn alles in Kyoto anschauen muss. Ehrlicherweise habe ich mir kaum was davon gemerkt weil ich einfach völlig kaputt und müde war. Dementsprechend war ich froh, dass ich mich endlich zurückziehen konnte, in Ruhe auspacken und rasten konnte. 
Ich war nur noch in der Stadt spazieren und kurz im Supermarkt. Die Galerie liegt wirklich direkt neben Gion und die Stadt ist traumhaft - ich hab es heute aber dann bei einem Spaziergang belassen und die Mengen gemieden. 
Übrigens - die Japaner sind die Meister der niedlichen Verpackungen. (liebe es)
Morgen starte ich mit meiner Arbeit und ich freue mich schon die ersten Bilder zu Papier zu bringen - vor allem, dass ich dabei meine Ruhe habe und mal allein bin. 
Die Künstlerräumlichkeiten sind wirklich riesig - habe eine ganze Wohnung für mich allein. 
Montag | 1. April 2024

Viele von euch wissen sicher, dass ich immer ein bisschen brauche bis ich angekommen bin. 
Mit dem Ortswechsel kommt das Heimweh besonders stark aber es gibt ja viel zu tun und unendlich viele Möglichkeiten mich abzulenken. Also bin ich ab an die Arbeit und habe heute schon skizziert - was ich so male, werdet ihr aber erst bei der Vernissage am 05 Juni sehen - sonst hättet ihr ja keinen Grund mehr zu kommen. ;) 
Zusätzlich musste ich mir die Wocheneinteilung machen - das Wochenende ist für mich ganz klar die Zeit zum Arbeiten. Die Besuchermassen zur Kirschblütenzeit halte ich einfach nicht aus. 
Unter der Woche merkt man aber wenig davon - wie ein normaler Tag in Wien. (von den Massen her) 
Da ich ja direkt im Zentrum wohne, ist der Nishiki-Markt wirklich nur ein Katzensprung. 
Also bin ich entlang vom Takasae-Fluss spaziert und hab auf meinem Weg zum Markt die wunderschönen Kirschblüten genossen. (In Ruhe, ohne Menschenmassen - Dienstag ist toll) 
Dabei ist mir ein kleiner weißer Reiher untergekommen - so klein und zierlich und wunderschön. In Japan gilt er als ein Symbol für Langlebigkeit und gilt als Glücksbringer. 
Ich hab aber auch nochmal einen Zwischenstopp in einem Shoppingcenter eingelegt und muss sagen, Tokyo kann da nicht mithalten. Je näher man zu Osaka kommt, desto besser die Shops. 
Eines meiner Highlights war, dass ich heute eine ältere Dame beim Einkaufen getroffen habe. Ich war ganz verblüfft, dass sie so gut Englisch gesprochen hat. Sie hat früher an einer Universität gearbeitet. Nach einem kurzen Gespräch bin ich weiter durch die Mall, nur um sie dann wieder zu treffen. Wir haben länger geplaudert und im Endeffekt hat sie um meine Kontaktdaten gebeten und mich zu sich eingeladen - ob sie mir wirklich noch ein Datum vorschlägt, weiß ich nicht aber sie war super lieb. 
Und ja Nishiki-Markt ist rieeeesig - einfach so lecker und gut. Ich habe die Sakura-Taiyaki gegessen und die waren wirklich lecker. Allgemein mag ich alles mit roter Bohnenpaste. Schmeckt wie Waffeln gefüllt mit sehr feinem Fruchtpüree - die Konsistenz von roter Bohnenpaste erinnert mich an Kartoffelpüree) 
Was ich liebe sind jedenfalls die Secondhand-Kimonostores. Dort habe ich heute einen Haori erstanden. (siehe Foto) Da der Euro gegenüber dem Yen extrem gut steht, ist das Leben hier wirklich sehr günstig. Nur das Herfliegen ist teuer. 
Bester Preisvergleich: Mein MC-Menü mit Teriyaki Burger hat umgerechnet 4,20€ gekostet. Manchmal rechne ich die Preise dreimal nach weil ich dem nicht ganz traue. 
Dienstag | 2. April 2024

Heute hat es wie aus Kübeln gegossen - und ich hab den Tag mit ein paar Erledigungen begonnen. 
Am Nachmittag habe ich weiter skizziert und schließlich auch das erste Bild begonnen. Es hat mich schon einiges an Überwindung gekostet wirklich anzufangen, da ich mit dem Aquarellpapier doch sparsam sein muss. Ich möchte ehrlicherweise nicht nach passendem Papier in Japan suchen müssen - die Suche nach normalen Gebrauchsartikeln gestaltet sich schon schwierig genug, da die Supermärkte und co. anders aufgebaut sind als in Österreich. 
Obwohl es so regnerisch war, habe ich meinen Spaziergang genossen. Von der Unterkunft habe ich XXL-Regenschirme bekommen (was sehr hilfreich ist). 
Gegen den Wind helfen die aber auch nur wenig. Das Wetter hier ist schon ein bisschen extrem. 
Einen Tag läuft man im Sommergewand rum und heute habe ich wieder den Wintermantel ausgepackt. 
Heute habe ich mir zum Abendessen Okonomiyaki gegönnt und zwar in einem kleinem Pub direkt neben meiner Unterkunft. Und obwohl dieses Lokal so unscheinbar aussieht (und ich in Österreich keinen Fuß reinsetzen würde), war es das beste, was ich bisher in Japan gegessen habe. 
Ich werde hier wohl die ganze Speisekarte durchprobieren - Zeit hab ich ja und ich wohne ja direkt daneben.
Mittwoch | 3. April 2024

Heute bin ich wieder etwas früher auf und direkt zum Kunsthandwerksmarket im Okasaki Park.
Fand es wirklich schön zu sehen wie liebevoll hier gearbeitet wurde. Neben Malerei, Origami und vielen mehr waren vor allem hochwertige Töpferwaren vertreten. Leider außerhalb meiner Preisklasse. Bei Souvenirs muss ich mich langsam etwas zurückhalten - ich würde ja am liebsten schon den gesamten Supermarkt leerkaufen, ganz zu schweigen von Kunstkatalogen und Büchern aus den Museen. 
Jedenfalls bin ich direkt weiter zum Heian Jingu Schrein. Und es ist so schön, dass unter der Woche kaum Menschen unterwegs sind. Ich komme bei vielen Sehenswürdigkeiten alleine an und habe meine Ruhe um die Gärten oder historischen Bauten zu genießen. Dafür werde ich mich am Wochenende zum Arbeiten verstecken und sicher nicht rausgehen. (zu viele Menschen am WE) 
Wünsche und Gebete kann man bei den Schreinen traditionell mit Papierstücken an Bäumen befestigen. Diese werden dann gegen Ende des Monats verbrannt. Es gibt auch Holztafeln, die mit Wünschen und Gebeten beschrieben werden können. (gleiches Prinzip) 
Ganz typisch sind aber die Glücksbringer oder Talismane, die vor allem möglichen schützen sollen oder auch zu Erfolg und Glück verhelfen sollen. Besonders gut gefallen mir die Glöckchen. (Ab und zu hört man vorbeigehende Japaner klingeln - das kommt von den kleinen Glocken, die oft als Glücksbringer getragen werden)
Auch das National Art Museum war sehr ruhig . und wunderschön. Leider durfte ich nur wenige Bilder machen - damit sind sie hier sehr streng. 
Im Eikando Zenrin-ji Tempel war auch nicht viel los und ich war in vielen Passagen komplett allein. Die Gärten der Tempel sind wirklich ein Kunstwerk für sich und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. 
Inspiriert werde ich den Rest des Tages zum Arbeiten nutzen. 
Donnerstag | 4. April 2024

Es ist Freitag und ich habe mich entschieden den Vormittag noch für einen Ausflug nach Arashiyama zu nutzen - berühmt für seine Bambuswälder und Tempel.

Da ich mich aber nicht durch den Hauptweg mit unterträglichem Gedränge durchschieben wollte, ging es für mich zum  Adashino Nenbutsu-ji Tempel. Dort gibt es einen weiteren Bambusweg, der deutlich weniger besucht ist. Merkt man schon daran, dass die großen Massen den Bus drei Stationen vorher verlassen haben. Außerdem sind hier die berühmten Steinfiguren zu sehen.
Danach zielte ich auch den Gio-ji-Tempel an, der für seinen Moosgarten berühmt ist. 
Direkt bei der Busstation traf ich ein sehr nettes Paar aus Kalifornien, Carrie und Bruce. 
Es ergab sich schließlich, dass wir Arashiyama gemeinsam erkundeten und dann wirklich gutes Chicken Curry zu Mittag aßen. Ich hab mich über die gute Gesellschaft sehr gefreut und wir haben noch Kontaktdaten ausgetauscht. Ich mag ehrlicherweise nicht alle Leute, die ich hier so treffe und ich treffe wirklich viele. Aber die beiden waren wirklich toll also ist es auch berichtenswert. (Abgesehen davon leben sie mein Traumleben und reisen in ihrer Pension rund um die Welt - echt super liebe Menschen) 
Pünktlich am frühen Nachmittag kamen auch die Massen und ich habe mich auf den Weg gemacht um mich in der Unterkunft zu verstecken. Auf dem Weg dorthin sah ich die Horde Kirschblütenjägern wie sie mit professionellem Fotoequipment ihre Fotos machten oder andere Passanten mit Selfiesticks aufspießten - tatsächlich finde ich diesen Anblick schon etwas komisch. So viel Mühe für ein völlig künstliches Bild von sich selbst. (und da müsste man manche sehen - das nenne ich Körpereinsatz) 
Ich habe noch ein sehr glückliches Foto von einem Reiher im Bach schießen können. Darauf bin ich ein bisschen stolz, weil es sogar mit Kirschblüten umrahmt ist. Das kommt in meine Postkartensammlung. (Gibt es dann planmäßig bei der Galerie) 
Das Wochenende wird übrigens eine reine Mal- und Wäschesession. Ich will nicht von Selfiesticks aufgespießt werden oder von wütigen Fotografen in einen Bach geschubst werden. 
Freitag | 5. April 2024

About the weekend.
Also ja ich habe gemalt, ein bisschen was gegessen und mehr gemalt. FIN 
Es sind am Wochenende einfach immer so viele Menschen unterwegs und das überfordert mich. Es ist grundsätzlich alles anders hier, eine fremde Kultur, so viel zu sehen und zu verstehen. 
Ich genieße die Zeit für mich allein, doch trotzdem fehlen mir meine Lieblingsmenschen. 
Hab heute Brot bei einer österreichischen Bäckerei gekauft - yum. (Kann momentan keinen Reis mehr sehen)
Zumindest in dieser Hinsicht war das Wochenende sehr produktiv. Ich bin mit meinen Skizzen gut vorangekommen und starte bald mit dem Colorieren. 
Sonntagabend war ich dann doch noch unterwegs um mir die Beleuchtung der Kirschblüten anzusehen - das wird gefeiert wie ein Festival mit Essensständen und allem was dazugehört. 
Bin aber recht schnell wieder heim - wie gesagt, insbesondere am Wochenende sind extrem viele Menschen unterwegs. Kyoto bei Nacht ist übrigens wunderschön. 
Sonntag | 7. April 2024

Und mit Farbe in die neue Woche. Heute hab ich mit dem Colorieren der ersten Bilder begonnen und bin noch ganz zufrieden damit. Für den frühen Nachmittag habe ich den Kinkakuji Tempel eingeplant sowie einen kleinen Katzentempel. Davon gibt es viele - zum größten muss ich erst noch hin. Der Hauptgrund warum ich aber in dieser Gegend rumgeirrt bin, war der Funaoka Onsen. 
Eine wunderschönes, kleines öffentliches Bad, welches Tattoos erlaubt. Damit sind sie tatsächlich sehr streng und ich bereue meine Tätowierung ein bisschen. (aber nein ich gehöre nicht zur Yakuza) 
Kurz zusammengefasst: der goldene Tempel war ganz nett (sieht man nur von außen und es waren sehr viele Touristen), der kleine Katzenschrein war süß aber nicht viel zu sehen und ich hatte mein erstes elektrisches Bad. Letzteres war wohl die spannendste Erfahrung bisher. Es war schon ein bisschen gruselig wie sich die Muskeln zusammenziehen. 
Vor dem Badeerlebnis habe ich übrigens in einem Teil des alten Bades (heute ein Kaffeehaus) Mittag gegessen - sehr lecker und wieder unglaublich günstig, wenn man umrechnet, waren es 6€. 
Den alten Frauen (kein einziger Tourist außer mir) hat es jedenfalls sehr gefallen mir das Bad zu zeigen und meine Reaktion auf das elektrische Bad zu beobachten. Kam mir wie ein Riese vor weil alle Frauen hier sehr viel kleiner sind als ich. Jedenfalls gab es auch entspannende Außenbäder mit warmen Wasser und den zu erwartenden Bambuswasserleitungen, einem Koiteich und vielen Holzschnitzereien. Ehrlich gesagt ein wirklich schönes öffentliches Bad. (wünsche mir so etwas bitte auch in Österreich)
Ohja und ich weiß wieder warum ich dieses Land so liebe - hier gibt es (im Normalfall) keine lauten Menschen im Bus. Heute wurde ich von einer Kanadierin wieder daran erinnert wie laut Menschen lachen und während eines Gesprächs brüllen können. Und ja sie bekam die Todesblicke von allen Anwesenden aber das hat sie wohl nicht so mitbekommen. Wenn man dem Gespräch so gefolgt ist, hat sie sich wohl allgemein sehr wenig mit den "Benimmregeln" in Japan befasst. 
Einfach gesagt: In öffentlichen Verkehrsmitteln ist man leise, telefoniert nicht und ist halt einfach leise. Und hier bin ich und bekomm jedes Mal die Krise, ob ich alles höflich ausgedrückt und genug gelächelt, verbeugt und bedankt sowie entschuldigt habe. 
Montag | 8. April 2024

Regnerisch, grau und kalt. So fühlt sich heute Kyoto an. 
Meine Lederjacke hat sich jedenfalls bewährt. Ich kann es nur jedem für einen Japantrip empfehlen eine Lederjacke mitzubringen. Sie ist nicht zu warm, nicht zu kalt und schützt gegen Regen und Wind. Die meisten tragen sie hier oversized. Das bringt mich zum Thema Kleidung. Etwas das über Japan oft thematisiert wird. Tatsächlich stimmen nicht alle Klischees. Es stimmt jedenfalls, dass hier sehr viel Wert auf das Erscheinungsbild gelegt wird. Und natürlich fallen einem Besucher zuerst jene Einheimische auf, die besonders gut aussehen. Allgemein sind hier zwei Kleidungsstile vertreten: die kurzen Röcke mit flauschigen Cardigans, kleinen Handtaschen und perfekt gestylten Haaren oder ganz konservativ und zurückhaltend mit langen Röcken, weiten Blusen, Blazern und schlichter Eleganz. Zumindest schien das für mich auf den ersten Blick so. Wenn man aber genauer hinsieht, sieht man auch völlig normal gekleidete Menschen mit Jeans und Pullover, sie fallen nur nicht so auf. (logischerweise) Die weiten Blusen und Shirts sind übrigens wetterbedingt. Ich habe schnell gemerkt, dass T-Shirts österreichischer Verarbeitung sich nicht so gut anpassen. Grundsätzlich wechselt die Temperatur tagsüber sehr stark und da sind Langarmblusen perfekt. Sie liegen nicht an, man schwitzt nicht und sie sind auch warm, wenn die Sonne weg ist. 
Was man hier definitiv nicht sieht sind Leggins oder enge Jeans. Keine einzige Person trägt hier eng anliegende Hosen. Kurze Röcke ja - aber NIEMALS eng anliegende Hosen. (warum auch immer)
Ganz besonders gilt das in den Tempeln. Ähnlich wie in Kirchen gilt hier ein konservativer Kleidungsstil - und ich finde das sollten auch manche Touristen berücksichtigen. Oft wundert es mich nicht warum manche Straßen in Kyoto für Touristen gesperrt werden. Selbst ich ärgere mich regelmäßig über respektloses Benehmen von anderen Besuchern. (und ich bin selbst mehr oder weniger Tourist) 
Außer, dass ich spazieren war, habe ich heute nur gemalt und ein paar Souvenirs besorgt. Wurde zur Anlaufstelle für alle möglichen japanischen Produkte. (und ja auch ich werde hier so einiges vermissen - Matcha, das Make-up, das Essen uvm.) ABER mir fehlen Süßigkeiten und allen voran Schokolade. Gute Schoki ist hier tatsächlich nicht so einfach zu finden. (oder allgemein Süßes) 
Dienstag | 9. April.2024

Heute bin ich früh aufgestanden, da einfach viel Arbeit zu erledigen ist - ja ich liebe die Selbstständigkeit aber es ist trotzdem irgendwie immer so viel zu tun und selbst hier in Japan arbeite ich an Projekten für zuhause. Aber ich bin dankbar dafür und stehe auch jeden Tag aufs Neue gerne dafür auch früher auf. 
Am Nachmittag war heute ein Programmpunkt dran, auf den ich mich schon lange gefreut habe. Ich durfte eine Tour durch die Manufaktur der Firma Shoyeido machen. Die Firma stellt Räucherwerk her und meine absoluten Favoriten unter Räucherstäbchen - unübertroffen. Es war echt spannend zu sehen wie die Stäbchen per Handarbeit hergestellt werden. Es gibt zwar hilfreiche Maschinen, jedoch sind Rezeptur und Vorgangsweise nach wie vor traditionell, natürlich und frei von Chemie. 
Und dann hab ich den Shop leergekauft. Spaß beiseite - ich habe nicht mehr ausgegeben als geplant und mich mit dem Duft "Kyoto Cherry Blossom" zufriedengegeben. Und er riecht genauso wunderbar wie es sich anhört. Kein drückendes Puderparfum sondern luftig zarte Duftnoten. 
Danach wollte ich eigentlich in das Mangamuseum von Kyoto - zu meinem Entsetzen habe ich vergessen die Öffnungszeiten zu checken. Also bin ich stattdessen in die Burg Nijo. 
Das Mangamuseum muss ich natürlich noch nachholen - vermutlich mit dem Kaiserpalast. 
Die Burg war unglaublich beeindruckend, jedoch ist das schwer auf den Fotos zu erkennen. Für mich hat es die Weite der Festung ausgemacht. Ein riesiges Areal, das von dicken und undurchdringbar scheinenden Mauern umgeben ist. Trotz der goldenen Verzierungen und den wirklich fantastischen Malereien, wirkt die Burg auf eine elegante Art und Weise bescheiden - jedoch ebenso eindrucksvoll. 
Ich bin dann über den Nishikimarkt zu meiner Unterkunft und habe mich dort durchgekostet. Es schmeckt ehrlicherweise alles sehr ähnlich, nach Teriyakisoße und oder frittiert mit Mayonaise. 
Ich vermisse es ehrlicherweise selbst zu kochen aber naja - ich will nicht so viele Gewürze kaufen. 
Der schönste Part des Tages kam aber am Nachhauseweg. Die Kirschblüten stehen ja überall in voller Blüte und momentan ist es so, dass ein Windstoß einen richtigen Blütenregen lostreten kann. 
Und genau das ist passiert. Ehrlicherweise hätte ich es gerne fotografiert aber das wäre echt unmöglich einzufangen. Die weißen Blüten, die über den dunklen Nachthimmel und die schwarzen Straßen wirbeln, umgeben von ein paar Straßenlaternen. Und dann steh ich da - wieder mal allein weil ich abseits den üblichen Wegen rumlaufe. War echt ein toller Anblick. 
Und ja viele nette Menschen sind hier - bekomme laufend Komplimente, dass mein Englisch angeblich so gut sei und irgendwie treffe ich so viele Kanadier und Australier - Japan liegt dort wohl im Trend. 
Mittwoch | 10. April 2024

Jaja nur noch zwei Wochen bin ich unterwegs und es gibt noch so viel zu tun. Heute habe ich den ganzen Tag gemalt - ich muss mich ranhalten aber gut Ding braucht Weile. (leider)
Ich hoffe, dass ich mit Ende des Wochenendes den ersten Schub an Bildern fertigstellen kann. Trotzdem möchte ich morgen mal wieder raus und überlege noch was ich machen möchte. 
Es gibt einfach so viel zu sehen und ich weiß gar nicht wie ich alles unterbringen soll. 
Und auch wenn ich meinen Aufenthalt genieße und es liebe in die Kultur, die Brauchtümer und dieses Land ganz allgemein einzutauchen - ich freue mich auch wieder auf Zuhause. 
Mir fehlen meine Freunde, meine Familie, einfach die Menschen, die ich so gewohnt bin um mich zu haben und so sehr schätze. 
Aber es ist ja nicht mehr viel Zeit und die übrigen zwei Wochen werden wohl auch vergehen wie im Flug. Also werde ich nochmal voll eintauchen, arbeiten und genießen. Morgen gibt's wieder mehr Updates. 
Donnerstag | 11. April 2024

Es war wieder Zeit für Kunst und Kultur und ich habe gleich mit dem sogenannten Katzentempel gestartet, Nyan-Nyan-ji. Eigentlich handelt es sich hier um eine Kunstausstellung bzw. Installation. 
In einem alten japanischen Haus wurde ein "Tempel" für Katzen errichtet. Ausgestellt werden Bilder von Katzen, Skulpturen von Katzen, Katzenfanartikel, alles rund um Katzen. Das meiste stammt von lokalen Künstlerinnen und Künstlern und ist dementsprechend eine gute Sache und lässt mein Herz ein bisschen höher schlagen - vor allem weil die Idee einfach so crazy ist. 
Aber ja die Japaner lieben Katzen und es gibt tatsächlich einige echte Tempel und oder Schreine, wo diese verehrt werden. In der Ausstellung werden übrigens auch Katzenpriester beschäftigt. Typisch Katze werden diese aber nur dann gesehen, wenn sie es wollen. So konnte ich nur Fotos von der "Oberpriesterkatze" anschauen. Die meisten gehören Einheimischen und sind naja eigentlich Hauskatzen. Was ich toll finde ist, dass auch Werbung für die Adoption von heimatlosen Katzen gemacht wird. Also echt eine gute Idee mit sehr feiner Umsetzung. 
Danach bin ich noch einige Zeit im Naturschutzgebiet spazieren gegangen und habe den lokalen Tempel besucht. Die Gegend war echt so schön ruhig und das tut mir nach der ganzen Zeit in der Großstadt auch gut - ich bin zwar gerne in Städten unterwegs aber nur auf begrenzte Zeit. 
Der Tempel war keine touristische Attraktion aber trotzdem sehr spannend zu sehen. Bin den kleinen Wanderweg hoch zum Schrein der Göttin Kuzuryu Benzaiten Okami, die zu den Drachengöttern gehört. Ich habe meinen Wunsch mit zwei tiefen Verbeugungen und viermal Klatschen zu ihr geschickt und vielleicht wird er erhört - wird werden sehen. 
Zurück in Kyoto habe ich erstmal mein Zugticket nach Osaka gekauft -will diesmal einen Fensterplatz. In eineinhalb Wochen geht es für mich ja wieder nach Österreich. 
Dann habe ich direkt den Higashi Hongan-ji Tempel besucht und hatte das Glück einer Gebetsstunde beizuwohnen und die Gesänge der buddhistischen Mönche zu hören. 
Zum Abschluss war ich heute auch noch im Mangamuseum von Kyoto. Es gab Mangakünstlerinnen, die vor Ort gemalt haben und jede Menge Mangas. Riesige Mangabibliothek wäre wohl eine bessere Bezeichnung für diesen Ort. War jedenfalls auch interessant. 
Fast vergessen: Bin heute bis 14:00 Uhr ohne Mittagessen unterwegs gewesen, was damit geendet hat, dass ich eine Bäckerei fast leergekauft habe. Und es war sooooo gut. (Gutes Gebäck ist in Japan eine Seltenheit) 
Freitag | 12. April 2024

Heute war ein ruhiger Tag. Ich habe gearbeitet, gemalt und To-dos abgehakt. Also nicht sehr spannend. Ein paar Sachen kann ich aber schon berichten. 
Da es bei mir in der Nähe ein Geschäft gibt, das weiße Erdbeeren verkauft, habe ich diese probiert. Japan ist mehr oder weniger bekannt dafür und ehrlicherweise habe ich sie noch in keinem anderen Land gesehen. Zusätzlich habe ich mir diese Sakura-Eiswolke gegönnt, die auf Instagram regelmäßig gezeigt wird. Mein Fazit: Die weißen Erdbeeren schmecken fast wie normale Erdbeeren und haben einen leichten Nachgeschmack nach überreifer Ananas und die Eiswolke war super lecker aber den Hype nicht wert. Basically Erdbeereis mit Kirschenmarmelade drin. 
Jedenfalls habe ich den Tag malend verbracht und werde heute Abend noch ein paar Beauty-Produkte probieren. Skincare wird hier großgeschrieben und ich komm mir sehr barbarisch vor. Ehrlicherweise kenn ich mich für europäische Verhältnisse schon sehr schlecht mit Make-up und Skincare aus. Meine kleine Cousine schminkt bessere Cateyes als ich - und sie ist in der Mittelschule. Zugegebenermaßen war ich schon ziemlich neidisch auf diesen perfekten Umgang mit dem Eyeliner. (Sie kann das wirklich gut) Diese Skills hätte ich in Japan gut gebrauchen können - wie gesagt Sikincare, Make-up und vor allem der Eyeliner - das haben sie hier perfektioniert. 
Ich habe jedenfalls ein paar cool aussehende Produkte gekauft und versucht mit Google Translate ihre Wirkung zu verstehen. 
Samstag | 13. April 2024

Die letzte volle Woche bricht an und ich kann es kaum erwarten. Ich habe viel gesehen, viel gelernt und viel gearbeitet. Trotzdem muss ich mich mit den Bildern ranhalten - noch habe ich mein Ziel nicht erreicht und ich muss ehrlich sagen, dass es wirklich Energie kostet konsequent zu malen. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau und ich liebe was ich tue und bin sehr stolz auf die Bilder die entstehen - es braucht leider trotzdem Zeit und Geduld. 
In der letzten Woche habe ich noch ein paar Highlights geplant und darf mich auf spannende Programmpunkte freuen. Trotzdem freue ich mich jetzt schon sehr auf meinen Heimflug und darauf endlich wieder die gewohnte Umgebung, meine Familie, meine Wohnung und va. meine Küche zu haben. Ich habe hier zwar auch die Möglichkeit zu kochen aber die Küche voll nach meinen Vorstellungen einzurichten hätte sich einfach nicht ausgezahlt und ich bin ja hier um Japan kennenzulernen und das schließt auch japanisches Essen ein. 
Heute habe ich viel gemalt und die Ruhe auch genossen - wie gesagt ich mag die Stadt sehr gerne aber eben nur auf Zeit und freue mich jetzt wieder darauf viel Grün vor der Haustüre zu haben. 
Sonntag | 14. April 2024 

About today. 
Ich habe einen Kimono anprobiert, Tempel besucht, eine Maiko getroffen, eine Teezeremonie genossen und war einfach viel unterwegs. 
Am Vormittag war mein Termin um einen Kimono zu leihen und ich hatte echt Schwierigkeiten mir einen passenden Kimono auszusuchen. Es gab so viele. Meine Haare wurden geflochten und hochgesteckt - diese praktische Frisur hatte ich den restlichen Tag. 
Dann war ich ein bisschen in Gion spazieren und entschied mich schnell den Kimono wieder zurückzubringen. Ja sie sind wunderschön, aber für eine ambitionierte Tempelrallye durch Kyoto nicht geeignet. Vor allem die Flipflops waren problematisch. 
In gewohnter Kleidung bin ich also das berühmte Gion durchwandert und habe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Tatsächlich ist es auch hier so, dass nur die berühmten Plätze besucht werden. Viele Tempel sind unter der Woche fast leer. Ehrlicherweise verstehe ich das nicht.
Mir wurde bei einem Schrein übrigens erklärt, dass Leute hier dafür beten, dass Verbindungen zerbrechen. Das hat mich tatsächlich nochmal ziemlich verwundert, dass hier für Trennungen gebetet wird. Scheint mir in einer Kultur, in der man sehr auf Rücksicht bedacht ist befremdlich eigennützig. Aber naja - wie so vieles hier folgt das wohl keiner Logik. 
Dann ging es zum Treffen mit einer Maiko - sozusagen eine Geisha (Geiko) in der Lehre. 
War spannend zu sehen auch wenn ich mir den Tanz eindrucksvoller vorgestellt habe. Aber ich habe ja noch Karten für Miyako Odori. 
Am Nachmittag war dann noch die Teezeremonie angesetzt und ich habe gelernt, dass ich mir echten Matcha nicht leisten kann. Schmecken tut Matcha sehr gut - ich werde mich aber weiterhin mit dem günstigen Ersatz aus dem Supermarkt zufriedengeben. 
Was ich übrigens sehr lustig finde ist, dass hier Limonade mit Konfitüre gemacht wird. Ich habe mich schon oft gewundert warum sie da Jelly reingeben - aber es ist einfach Marmelade. (meistens aus Zitrusfrüchten aber trotzdem ungewohnt) Diese Limonade schmeckt aber trotzdem sehr gut. 
Montag | 15. April 2024

Heute war wieder ein Maltag also gibt es nicht viel zu berichten. Ich zeichne viel und hoffe, dass die Bilder zu meiner Zufriedenheit fertiggestellt werden können. Trotzdem spielt immer eine gewisse Unsicherheit mit, da ich bis zum Schluss nicht sicher sagen kann, ob das Bild so wird wie erwartet. 
Und typisch Aquarell gibt es kein Zurück oder übermalen. Und ich werde die Konbini Märkte vermissen. Basically 24h Supermärkte, wo man jede Art von Snack bekommt. Trotzdem bin ich froh, dass wir in Österreich nicht solche Öffnungszeiten haben. Es ist eigentlich unnötig weil ich eh zu normalen Zeiten einkaufe und die Arbeitszeiten sind für die Mitarbeiter echt anstrengend. 
Worauf ich mich schon richtig freue? Süßgebäck aller Art. Angefangen bei Apfelkuchen, Palatschinken bis hin zu Topfenknödeln. Ich habe mich durch das gesamte Sortiment an japanischen Süßspeisen durchprobiert und bin zum Schluss gekommen, dass ich wohl nicht für japanische Süßigkeiten gemacht bin. Und mir fehlt gutes Gebäck. Ich freue mich auf Schwarzbrot. 
Dienstag | 16. April 2024

Für heute hatte ich Tickets für "Miyako Odori is Yo-i yasa-!" im  Gion Kobu Kaburenjo. 
Dabei handelt es sich um eine traditionelle Aufführung im Frühling von Geikos und Maikos. 
Man kann es als eine ausdrucksstarke Tanzperformance zu Sprechgesang und musikalischer Begleitung auf traditionell japanischen Instrumenten beschreiben. 
Anders als erwartet ist es weniger vergleichbar mit Ballett sondern mehr mit einer eindrucksvollen Oper. Von der Stimmung trifft es der Vergleich mit Aida am besten.
Ausdrucksstarke Maske, eindrucksvolle Kostüme, ein beeindruckendes Bühnenbild und eine dramatische musikalische Umrandung. Besonders bemerkenswert ist der Sprechgesang der dieses Stück begleitet. Für europäische Ohren erinnert es an schrillen Katzenjammer abwechselnd mit einer tiefen, donnernden Frauenstimme. (einer alten Frau) 
Die Bewegungen folgen Trommelschlägen und setzen mit lautem und kräftigen Aufstampfen Akzente. Es wird bildhaft eine Geschichte erzählt und auch ohne Übersetzung fällt es einem leicht zu verstehen. Genutzt wird übrigens auch eine seitliche Bühne, anders als in den meisten europäischen Theatersälen, die ich kenne. 
Davor bekam ich bei einer Teezeremonie noch einen Teller geschenkt. Das fand ich ziemlich skurril aber hab mich sehr gefreut. 
Und ja ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen Reiher sehe. Sie sind so cool, elegant und hier sehr oft zu sehen. 
Mittwoch | 17. April 2024

Ruhig war es die letzten Tage. Es gab aber auch nicht viel zu berichten. Hauptsächlich habe ich gemalt und noch ein paar Erledigungen gemacht - mitunter ein Paket heimgeschickt. Spoiler - bei der Ausstellung gibt es wohl auch Skulpturen zu sehen. Für mich etwas ganz Seltenes aber wenn ich ein konkretes Bild vor Augen habe, muss ich es eben umsetzen. Ich bin schon gespannt wie sie ankommen. Ich persönlich freue mich sehr darauf und bin sehr zufrieden mit meinem Konzept.
Am Samstag habe ich eine Yokai-Parade besucht. Dazu ein paar Worte der Erklärung. Yokai oder Oni sind Sagengestalten aus japanischen Volksgeschichten. Man kann sie mit Dämonen, Geistern und Fabelwesen vergleichen. In den Erzählungen sind sie nicht zwingend böse sondern oft listig. Typischerweise sind sie sehr naturverbunden und leben in Wäldern, tiefen Seen, Bergen oder Höhlen oder ganz allgemein "mystischen Orten". Bekannte Vertreter sind Kitsunefüchse, Schneefrauen, Kappas oder auch Tengus. Sie sind Gestaltwandler oder haben besondere Fähigkeiten. Das variiert in den Erzählungen ein bisschen. Oft werden sie halbmenschlich beschrieben und die Erzählungen über Oni basieren oft auf Menschen, Ausländern "Gaijin". Diese sahen anders aus, sprachen anders und waren im Vergleich zu den Einheimischen größer, stärker und oft furchteinflößend.
Bei der Parade wurden ähnlich wie bei einem Perchtenlauf Masken getragen, die ganz unterschiedliche Vertreter dieser Sagengestalten darstellten. Mein Favorit war die riesige tanzende Katze. Vermutlich in Anlehnung an Nekomata (eine japanische Sagengestalt). 
Zu japanischer Flötenmusik und Trommeln sind sie durch die Straßen spaziert und ich habe mit bei einem der vielen Streetfoodstände einen Yokai-Burger mit schwarzem Bun geholt. 
Morgen wird der Koffer gepackt und Dienstag geht es noch ab nach Osaka. Ich freue mich schon auf Zuhause.
Sonntag | 21. April 2024